Aachen, 13. Mai 2016

Es droht eine humanitäre Katastrophe

MISEREOR warnt eindringlich vor Schließung der Flüchtlingslager in Dadaab und Kakuma

(Aachen, 13. Mai 2016) MISEREOR hat eindringlich vor einer Schließung der weltweit größten Flüchtlingslager Dadaab und Kakuma in Kenia gewarnt. "Sollte die Regierung in Nairobi ihre Ankündigung wahr machen, würde dies bedeuten, dass hunderttausende Menschen zurück in Gebiete müssten, die von Krieg und Gewalt, Hunger und extremer Armut betroffen sind. Es droht eine humanitäre Katastrophe", sagte der Geschäftsführer des Werks für Entwicklungszusammenarbeit, Martin Bröckelmann-Simon, am Freitag in Aachen.

In Dadaab und Kakuma leben mehr als 600.000 Menschen. In der Mehrheit handelt es sich dabei nach Angaben von MISEREOR-Partnerorganisationen um Frauen, Kinder und unbegleitete minderjährige Jugendliche. Die Flüchtlingslager bestehen seit rund 25 Jahren, haben mittlerweile eine umfangreiche Infrastruktur inklusiver mehrerer Krankenhäuser und bilden zusammengenommen die viertgrößte Stadt des Landes.

Eine Rückkehr ist undenkbar

"In den Lagern leben überwiegend Menschen aus Somalia und Südsudan", erläuterte Bröckelmann-Simon, der die größte Flüchtlingssiedlung der Welt vor einiger Zeit selbst besucht hat.  "Eine Rückkehr in ihre Heimatländer ist undenkbar. Somalia hat schon jetzt große Schwierigkeiten, die eigenen Binnenvertriebenen zu versorgen. Auch im Südsudan ist die Lage vor allem aufgrund des anhaltenden bewaffneten Konfliktes sehr prekär." Verschärft werde die Gesamtsituation  in der Region rund um die Flüchtlingslager aktuell auch durch Versorgungsengpässe. Aufgrund der Größe der Lager und der derzeitigen Dürre wird das Wasser knapp, der Grundwasserspiegel sinkt in bedrohlichem Maße.

Nach Ansicht von Bröckelmann-Simon würde eine Schließung der Lager das Flüchtlingsproblem nicht lösen. "Man kann davon ausgehen, dass die meisten Betroffenen sich innerhalb Kenias an anderer Stelle illegal ansiedeln würden. Zudem würde die Zahl derjenigen, die sich auf den gefährlichen Weg Richtung Europa machen, sicherlich ansteigen." Nicht auszuschließen sei aber auch, dass die Menschen in benachbarten Staaten wie Uganda, Tansania und Äthiopien Schutz suchten, in denen bereits jetzt viele Flüchtlinge versorgt werden müssten.

Internationale Gemeinschaft ist gefragt

MISEREOR wertet die Ankündigung Kenias, die beiden Lager zu schließen, daher auch als Mahnung an die internationale Gemeinschaft, das Land bei der Bewältigung seiner Flüchtlingsprobleme stärker zu unterstützen. "Kenia hat über viele Jahre in bemerkenswerter Weise Gastfreundschaft gezeigt und sich der vielen Flüchtlinge angenommen. Wir dürfen das Land mit dieser großen Belastung nun nicht allein lassen."  Gleichzeitig appelliert MISEREOR aber auch an die Regierung in Nairobi, die Schließung der Lager in Dadaab und Kakuma ebenso zu überdenken wie die bereits begonnene Auflösung der staatlichen Flüchtlingsbehörde. Zudem müsse die politische Führung Kenias die Menschenrechte und die UN-Flüchtlingskonvention achten.

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Hinweis an Redaktionen: MISEREOR-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon und die MISEREOR-Länderreferentin für Kenia, Barbara Schirmel, stehen für Interviews zum Thema zur Verfügung.


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