Flüchtlingshilfe im Libanon
Flüchtlingshilfe im Libanon. © Kathrin Harms/MISEREOR
Aachen, 28. August 2015

MISEREOR beklagt Abwehrhaltung der EU gegenüber Flüchtlingen

(Aachen, 28. August 2015) Anlässlich der zunehmend kontroversen Diskussion um die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland und der Europäischen Union, fordert das Werk für Entwicklungszusammenarbeit MISEREOR eine Abkehr von der bislang  auf Abwehr ausgerichteten Haltung der EU gegenüber Menschen, die weltweit auf der Flucht sind: Die Zivilgesellschaft sei in ihrer weitaus überwiegenden Willkommenshaltung da weiter als die Politik. Niemand setze sich freiwillig den Gefahren von Flucht und Migration aus. Zudem kämen die wenigsten Flüchtlinge überhaupt in die Nähe europäischer Grenzen, sondern würden überwiegend in den unmittelbaren Nachbarregionen aufgenommen und versorgt.

Vor diesen Hintergründen sei es unverständlich, warum die EU angstvoll und uneinig auf die Katastrophen an ihren Außengrenzen reagiere, stellt MISEREOR Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon fest. "Wo bleiben der humanitäre Grundkonsens, eine gemeinsame menschenfreundliche Asylpolitik und ein entwicklungsförderndes Migrationskonzept? Die angestiegenen Flüchtlingszahlen in Deutschland sind zwar derzeit gewiss eine große sozialpolitische Herausforderung, aber  kein Grund zur Klage und schon gar nicht zur Angst. Vielmehr fordert es eine neue Kultur des Willkommens für die Fremden sowie des Teilens und des Mitgefühls. Das ist einerseits eine politische Herausforderung für die EU - aber ebenso auch eine Aufgabe für uns alle und ein Gebot der Menschlichkeit."

86 Prozent leben in Entwicklungsländern

86 Prozent der weltweiten 60 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene leben in Entwicklungsländern, zwei Drittel davon in ihrem eigenen Land. In den 28 EU-Staaten sind gerade mal zwei Millionen Flüchtlinge registriert. Bröckelmann-Simon: "Wenn Deutschland hingegen der Libanon wäre, dann wären hier umgerechnet in den letzten drei Jahren rund 25 Millionen Flüchtlinge aus dem Nachbarland angekommen, mittlerweile wären die Hälfte der dadurch ebenfalls enorm angestiegenen Schülerzahlen Flüchtlingskinder." Übersehen würden in der Debatte zudem positive Aspekte, die mit der Einreise von Flüchtlingen nach Deutschland verbunden seien.

Erhebliche Beiträge zur Entwicklung

Gefordert sei auch eine andere Haltung gegenüber afrikanischer Migration, deren Dimensionen im Übrigen oft überschätzt würden: Afrikanische Flüchtlinge machten im ersten Halbjahr 2015 nur 19 Prozent aller EU-Asylbewerber aus. Insgesamt lebten 2013 5,1 Millionen Menschen mit afrikanischem Migrationshintergrund legal in der EU, das entspricht einem Anteil von lediglich einem Prozent an der EU Gesamtbevölkerung. "Abgesehen davon, dass diese Menschen durch ihre Arbeit in den jeweiligen Gastländern Steuern und Sozialabgaben zahlen, leisten  sie auch erhebliche Beiträge zur Entwicklung Afrikas. Laut Weltbank überwiesen afrikanische  Migranten 2013 auf dem Bankenwege 38 Milliarden US-Dollar in ihre Heimatländer. Ebenso viel dürfte nochmal zusätzlich auf informellem Wege dorthin gelangt sein. Das war erheblich mehr Geld für Afrika als sämtliche Entwicklungshilfeleistungen für diesen Kontinent", so Bröckelmann-Simon.

Unterstützung von Partnern bei der Arbeit mit Flüchtlingen

MISEREOR unterstützt auftragsgemäß Projekte in den Herkunfts- und Zielländern der Flüchtlinge und Binnenflüchtlinge im Nahen Osten, in Afrika, Asien und Lateinamerika. Der Schwerpunkt der Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen liegt zurzeit im Nahen Osten (Syrien, Irak und Libanon). Aber unter anderem auch im Tschad, Südsudan, Somalia, Kenia und in Kamerun sowie in Thailand und Kolumbien ist MISEREOR derzeit in der Hilfe für Flüchtlinge tätig. Neben unmittelbaren Nothilfemaßnahmen zur Sicherung der Ernährung und Unterkunft der Flüchtlinge und Maßnahmen zur medizinischen Grundversorgung hat das Entwicklungshilfswerk der katholischen Kirche dabei auch immer langfristige Aspekte im Blick. So liegt ein besonderer Fokus auf der schulischen Förderung von Kindern und Jugendlichen, um ihnen langfristig  Zukunftsperspektiven auch nach der Rückkehr in ihre Heimat zu bieten. Weitere Förderschwerpunkte führen vom Bereich der psycho-therapeutischen Trauma-Arbeit für Flüchtlinge aus Kriegsgebieten über die Unterstützung der lokalen Bevölkerung in den Einwanderungsgebieten bis hin zur Rechtsberatung in Landrückgabeprozessen.

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MISEREOR-Nothilfe und Wiederaufbau in Syrien, im Nordirak und dem Libanon


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